Von: Christel Neudeck

An: 'Thomas.H.Nguyen'

Betreff: Brief an unsere Vietnamesen

Liebe deutsch-vietnamesischen Freundinnen und Freunde der Cap Anamur!

Heute habe ich Huan Nguyen gebeten, Euch allen meinen Brief weiter zu geben.

Ihr möchtet Rupert ehren und ihm ein Denkmal errichten. Das ist sehr schön. Mit Huan Nguyen hatte ich besprochen, dass eine Büste sehr schön sein würde, ich hatte dem zugestimmt. Ihr habt Euch gemeinsam viele Gedanken gemacht.

Nun ist der erste Vorschlag gekommen, den unsere Kinder, enge Freunde und ich angeschaut haben. Es fällt mir etwas schwer Euch zu sagen: Wir finden ihn zu überproportioniert, zu großartig. Ihr wisst ja, Rupert war ein sehr bescheidener Mann. Ihm ging es immer um die Arbeit, nicht um seine Person. Deshalb haben wir die Bitte an Euch, dass wir gemeinsam noch einmal überlegen, wie wir es so machen können, dass Rupert zufrieden ist, wo immer er nun ist. Auf der Vorlage steht er da hoch oben auf einem Sockel. Wir müssen ihn da herunter holen. Wenn wir es schaffen, zum Beispiel mit einem zusätzlichen Text von ihm, seine Furchtlosigkeit, seinen Mut und seine Liebe zu den Menschen ausstrahlen zu lassen; das wäre wunderbar. Es ist nicht so einfach, aber wenn wir Geduld haben, schaffen wir es.

Die Stadt Troisdorf ist bereit und sogar erfreut darüber, dass Sie etwas tun wollen. Die Stadt überlegt, ob sie den Platz bei dem Boot ganz umgestalten, grösser und schöner machen und evtl. in „Cap Anamur-Platz“ umbenennen. Dann könnten dort das Boot, Ihre Tafel und ein „Denkmal“ für Rupert stehen. Letzteres könnte z.B. eine Tafel sein mit einem Relief von Ruperts Gesicht und einem guten Zitat von ihm oder einem, das zu ihm passt. Wir werden eines finden und die Stadt Troisdorf hat auch Künstler, die wir ansprechen können. Man kann einen Baum pflanzen, eine Bank hinstellen und z.B. einen Bücherschrank, aus dem die Leute Bücher nehmen können. Dieser Platz wird noch existieren, wenn wir tot sind, deshalb soll er bescheiden und so sein, dass Leute dort stehen und nachdenken können. Nur so als Idee, weil Rupert ja ein Mann des Wortes und des Buches war.

Sie überlegen auch, ob sie eine Straße nach Rupert benennen und es gibt auch eine Anfrage, (auch eine solche aus einer anderen Stadt) eine Schule nach Rupert zu benennen. Das finden wir gut, weil Rupert immer Vorträge in Schulen angenommen hat und die Schüler ihm ganz besonders am Herzen lagen.

Die Verwaltung der Stadt Troisdorf ist eine deutsche Behörde, das heißt, sie muss im Rat abstimmen, wie dies gestaltet werden soll und zu welchem Zeitpunkt eine Einweihung des entsprechenden Platzes erfolgen kann. Die Stadt denkt an einem Zeitraum von ca. zwei Jahren (2018). Also wir haben zwei Jahre Zeit! Die entsprechenden Informationen über die planerische Neugestaltung des Platzes wird Huan Nguyen von der Stadt bekommen.

In allen Nachrufen kam zum Ausdruck, dass Rupert bescheiden, ja sogar arm leben wollte. Niemals hätte er akzeptiert, dass ihm zu Ehren so viel Geld ausgegeben wird. Er hätte es sicherlich gut gefunden, wenn zum Beispiel auf dem Platz, auf dem das Flüchtlingsboot steht, eine Plakette mit seinem Namen angebracht wird, auf einen Sockel darf man ihn nicht stellen. Er würde sich sicherlich freuen, wenn von dem gesammelten Geld eine Schule oder eine Ambulanz nach ihm benannt würde, an der steht, dass Sie diese finanziert haben. Die Grünhelme könnten sie bauen.

Und: Wir haben Zeit, Rupert hat nun alle Zeit der Welt …

Ihr wisst, wie stolz er auf „seine Vietnamesen“ war, die in Deutschland gezeigt haben, wie gute Integration gelingen kann; Sie haben vielen Politikern Mut gemacht, weitere Flüchtlinge aus anderen Ländern aufzunehmen.

Die Stadt Troisdorf ist bereit, Ruperts Nachlass (das ist sehr viel) zu sichten, zu digitalisieren und allen Menschen zugänglich zu machen, die sich dafür interessieren. Das ist ein großes Entgegenkommen der Stadt. Wenn ich den Druck, den Sie machen, weitergebe, werde ich kaum mit der Stadt zusammenarbeiten können. Ich bitte nun darum, dass Sie sich immer mit Huan Nguyen in Verbindung setzen über Ihre Gesellschaft. Er wird Sie über den Fortgang des Projektes informieren.

Seien Sie behütet!

Ihre Christel Neudeck